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Lecos-Zukunftsforum 2014 – Kommune 2040: Wie kommunizieren wir morgen?

Am 13. November 2014 haben wir uns gemeinsam mit gut 50 Vertretern von Kommunen, kommunalen Eigenbetrieben und weiteren öffentlichen Institutionen auf eine spannende Zeitreise in die „Kommune 2040“ begeben – vorbei an von digitalen Technologien getriebenen Veränderungen in beeindruckende Visionen unserer kommunikativen Zukunft.

WPeter_Kühne_Lecos_-_Zukunftsforum_Lecos_-_Kommune_2040ie wird sie aussehen, die Kommune im digitalen Zeitalter? Wie werden Bürger und Behörden miteinander kommunizieren? Welche Technologien werden sie nutzen? Und wie wollen wir die wachsende Zahl der Kommunikationskanäle beherrschbar machen? Bedenkt man, mit welcher Geschwindigkeit die digitale Revolution durch alle Lebensbereiche rollt, ist kaum vorstellbar, wie unsere Welt in einem Vierteljahrhundert aussehen wird. Es ist unmöglich, alle Fragen zu stellen, die uns im Zusammenhang mit der digitalen Zukunft bewegen und noch weniger, sie zu beantworten. Aber wir müssen uns damit auseinandersetzen. Und dies war das Ziel des zweiten Lecos-Zukunftsforums „Kommune 2040“.

Kommunen brauchen eine „Digitale Agenda“
Dr._Marianne_Wulff_Vitako_-_Zukunftsforum_Lecos_-_Kommune_2040In ihrem Grußwort betonte Vitako-Geschäftsführerin Dr. Marianne Wulff, wie wichtig es sei, sich mit der Digitalisierung der Welt auseinanderzusetzen. Es sei längst mehr als nur ein Thema für Techniker und IT-Nerds. Beträfen die Veränderungen doch Gesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung gleichermaßen. Wir bräuchten eine gemeinsame Vision der Zukunft, um unseren Weg dahin zu finden und diesen ebenso aktiv wie geradlinig gestalten zu können. Vor allem auch für kommunale IT-Dienstleister sei es unabdingbar, ein recht klares Bild von der Zukunft zu haben, wenn sie ihre kommunalen Kunden gut und zukunftsorientiert beraten und begleiten wollen. Wulff regte an, endlich auch auf kommunaler Ebene eine digitale Agenda aufzustellen, die sich durchaus an der des Bundes – quasi als „Blaupause“ – orientieren könne.

Neue Werte in allen Lebensbereichen
Matthias_Kammer_DIVSI_-_Zukunftsforum_Lecos_-_Kommune_2040Matthias Kammer, Direktor des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet DIVSI, stellte in seinem spannenden Vortrag eine zentrale Frage: Brauchen wir für das digitale Zeitalter eine neue Werteordnung? Kammer schlug dabei den Bogen über eine Vielzahl von Lebensbereichen und verdeutlichte anhand von greifbaren Beispielen, wie die technologischen Veränderungen schon heute völlig neue Werte bedingen – im Privatleben, im Arbeitsleben, in der Wirtschaft, in der Politik. Er stellte dabei positive wie auch negative Entwicklungen als Folge der neuen Möglichkeiten gegenüber. So sei die Entgrenzung von Zeit und Raum beispielsweise für das Arbeitsleben Chance und Risiko zugleich. Gebe sie den Menschen einerseits die Möglichkeit, frei zu wählen, wann und wo sie arbeiten, berge sie andererseits die Gefahr, im permanenten „Arbeitsmodus“ zu leben und sozusagen „Selbstausbeutung“ zu betreiben. Kammer mahnte ein hohes Maß an Selbstverantwortung an, die im Umgang mit den digitalen Medien und der durch sie bedingten Verschmelzung von Privat- und Arbeitsleben notwendig werde.
Kritisch merkte Matthias Kammer an, dass der Public Sector noch sehr zurückhaltend im Umgang mit den neuen Möglichkeiten sei. Das Potenzial, die Bürgerschaft über digitale Kanäle direkt anzusprechen und mit ihnen in einen aktiven Dialog zu treten, würde noch immer nicht in einem zufriedenstellenden Maß genutzt. Als ein Vorbild im offenen Umgang mit öffentlichen Daten nannte Kammer das Transparenzgesetz in der Freien und Hansestadt Hamburg. Seit Oktober dieses Jahres sind nahezu alle Dokumente des Hamburger Senats, der Behörden und städtischer Unternehmen für jeden Bürger online einsehbar.

Menschenwürde ist unantastbar
Bezogen auf die Gesellschaft machte der Direktor des DIVSI zwei digitale Gräben aus, die die Digital Outsiders – Menschen, die ganz oder überwiegend ohne Internet leben, sowie die Digital Natives – Menschen, für die das Internet längst selbstverständlicher Teil des Lebens ist, von den Digital Immigrants trennen. „Es wird nie so sein, dass wir uns alle gleich digital verhalten“, sagt Kammer. Es dürfe aber keine dieser Gruppen vernachlässigt werden. Außerdem berge die Digitalisierung noch eine riesige Zahl an Herausforderungen. Eine sei der Umgang mit CyberCrime.SAMSUNG CSC Es bedürfe einer übernationalen Polizei, die in der Grenzenlosigkeit des Web agieren müsse. Insgesamt aber sieht Kammer die Entwicklungen als ein riesiges Potenzial am Chancen, die es unbedingt zu nutzen gelte. Eines aber habe immer Vorrang – in der realen wie in der virtuellen Welt: die Unantastbarkeit der Menschenwürde. Kommunikation muss gesteuert und konsolidiert werden Mit einem Augenzwinkern blickte Lecos-Geschäftsführer Peter Kühne in die Zukunft. Über-zeichnet mimte er zunächst einen gestressten Bürgermeister, der von der Vielzahl verschiedenster Kommunikationskanäle mit Informationen permanent und völlig unstrukturiert über-flutet wird. Ein zweites Szenario zeigte den gleichen Bürgermeister entspannt und dennoch gut informiert. Avatar MANNU, Mehr Als Nur Nutzer-Unterstützung, filtert die Informationen aller verfügbaren Kommunikationswege und gibt sie strukturiert genau dann weiter, wenn sie für den Empfänger relevant sind.

Vom Ende des Suchens
Wie einer dieser Kommunikationskanäle in der Zukunft aussehen kann, zeigte Holger Wollschläger von Lecos GmbH. Er stellte die Möglichkeiten des semantischen Webs vor. Die neue Generation des Webs soll „mitdenken“. Es soll präzise Fragestellungen thematisch ebenso präzise beantworten, indem es die verfügbaren Informationen bewertet, interpretiert und logisch, also semantisch, in Verbindung setzt. Suchmaschinen recherchieren dann nicht mehr nach dem bloßen Vorhandensein einzelner Schlagworte, sondern nach Schlagworten im richtigen thematischen Zusammenhang. An einem Holger_Wollschläger_Lecos_-_Zukunftsforum_Lecos_-_Kommune_2040Forschungsprojekt zu diesem Thema arbeitet Lecos gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft und betrachtet dort vor allem die Vorteile eines kommunalen Einsatzes.

Das „denkende Web“ wurde vom Publikum durchaus gesehen und angeregt diskutiert. So wurde unter anderem angeführt, dass wir uns mit dieser Technologie zu unmündigen Bürgern entwickeln, die nicht mehr in der Lage sind, selbst zu denken und zu entscheiden und durch diese Möglichkeiten von der Wirtschaft gelenkt und geleitet werden. Dr. Marianne Wulff sah diese wirtschaftsethische Komponente der Entwicklungen ebenfalls, verortete die Verantwortung jedoch beim Nutzer selbst. „Wir müssen Souveränität im Umgang mit den Medien entwickeln“, sagte sie. „Wir müssen Verantwortung uns selbst gegenüber übernehmen und lernen zu entscheiden, wann etwas für uns wichtig und nützlich ist und wann nicht.“ Sie mahnte aber dennoch an, dass diese Diskussion in Deutschland noch viel zu wenig geführt werde. Verschiedene Vertreter der Kommunen sahen durchaus ein hohes Potenzial für den Einsatz semantischer Technologien in der kommunalen Verwaltungsarbeit. Angesprochen wurde zum Beispiel das Thema E-Akte, das darauf aufbauen könne.

Digitale Medien: Jugend im Vorteil
Kay Schönewerk, Geschäftsführer der Kommunikationsagentur 4iMEDIA, sieht uns schon mittendrin in der Zukunft. Er betonte, dass die junge Generation hier im Vorteil sei, da sie in die neue Zeit vorbehaltslos hineinwachse und die Kommunikationsmöglichkeiten der digitalen und der analogen Welt gleichermaßen selbstverständlich nutze. Aber auch er zeichnete ein von einer unwaKay_Schönewerk_4iMEDIA_-_Zukunftsforum_Lecos_-_Kommune_2040hrscheinlich hohen Entwicklungsgeschwindigkeit geprägtes Bild der Zukunft. Alles werde sich vertausendfachen, so Schönewerk: Die Zahl der Kommunikationsmöglichkeiten, die Rechenleistungen, die Menge der Informationen.
In seiner Vision der Zukunft übernehmen Avatare und Roboter mehr und mehr die Arbeit der Menschen. Eine These, die durchaus für Zündstoff im Publikum sorgt. Fördere die Entwicklung damit nicht ein soziales Ungleichgewicht, weil Menschen als Arbeitskräfte dann über-flüssig werden? Kay Schönewerk prophezeite neue Arbeitsfelder für die Menschen und Dr. Marianne Wulff sah sie vorrangig in der steuernden Funktion. Soweit Technik auch heute schon sei, Denken und das Lösen von Problemstellungen bliebe nach wie vor unsere Aufgabe.

Schwarmverhalten von RFID
Martin Roth vom Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Leipzig meinte, Deutschland brauche eine neue industrielle Revolution zur Industrie 4.0, eine Massenproduktion, die in der Lage ist, trotz Masse jedem Kunden sein individuelles Produkt zu liefern. Grundlage dafür seien ProduSAMSUNG CSCktionsanlagen und Maschinen, die untereinander kommunizieren können – medienbruchfrei, um Kommunikationsfehler auszuschließen. Als eine technische Möglichkeit für diese Vision nannte er die RFID-Technologie, an der die Universität Leipzig derzeit aktiv forsche. Die Identifizierung über Funkwellen könne im kommunalen Umfeld beispielsweise für die Inventarisierung von beweglichem Anlagevermögen eingesetzt werden. Ein entsprechendes Projekt habe man gemeinsam mit der Lecos GmbH bereits mit Erfolg für die Stadtverwaltung Leipzig umgesetzt. Würde heute die Kommunikation jedoch ausschließlich zwischen einem Lesegerät und dem RFID-Chip erfolgen, sollen die RFID-Chips sich künftig untereinander erkennen und Informationen weitergeben können. Ein wichtiger Schritt zur Industrie 4.0.

Einen schönen Schlusspunkt unter die Veranstaltung setzte Dr. Marianne Wulff. Sie stellte der Verwaltung in Deutschland ein gar nicht so schlechtes Zeugnis aus. Schließlich hätten Technologien die Verwaltung längst verändert. Wir hätten es nur nicht bemerkt. Und im Bereich der elektronischen Vergabe seien die Behörden an der Wirtschaft sogar bereits vorbeigezogen.

So unterschiedlich die Blickwinkel der Referenten auf das digitale Zeitalter auch waren, so gleichlautend das Fazit: Wir haben keine Möglichkeit, die Zukunft aufzuhalten. Aber wir haben jede Chance, sie zu gestalten.