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Linked Data: Lecos forscht zum Einsatz verknüpfter Daten in Kommunalverwaltungen

Wir leben in einer digitalisierten Welt und die Menge digitaler Daten wächst in unglaublicher Geschwindigkeit. Nur mächtige Suchmaschinen wie Google sind noch in der Lage, in diesem Datenmeer Informationen zu finden: mit meist wenig präzisen Suchergebnissen. Wie Daten auf Basis ihrer Bedeutung, also logisch und semantisch, verknüpft werden können, ist Inhalt zahlreicher internationaler Forschungsprojekte zum sogenannten Web 3.0.

Linked Data

Auf die Erkenntnisse dieser Projekte setzt das sächsische Forschungsbündnis Linked Enterprise Data Services (LEDS) auf. Zum Bündnis gehören die Universität Leipzig, die Technische Universität Chemnitz sowie die vier Leipziger IT-Unternehmen brox IT, Ontos, Netresearch und Lecos. Sie befassen sich in Teilprojekten mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten.

Neue Generation intelligent vernetzter Datendienste

Das Bündnis hat sich zum Ziel gesetzt, eine neue Generation intelligent vernetzter Datendienste für moderne elektronische Prozesse in Verwaltung und Wirtschaft zu entwickeln. Strukturierte Daten, etwa aus Datenbanken und Tabellen, werden logisch und semantisch mit nicht strukturierten Inhalten wie Texten von Webseiten oder Dokumenten aus verschiedenen Quellen verknüpft. Eine Voraussetzung ist es, vorhandene, von Menschen generierte und für Menschen gedachte Informationen so aufzubereiten, dass sie von Maschinen gelesen und „verstanden“ werden können. Dafür müssen sie um sogenannte Metadaten angereichert werden, um beispielsweise auch gleichlautende Wörter mit unterschiedlicher Bedeutung auseinanderhalten zu können, etwa „Ball“ als Spielzeug und „Ball“ als Tanzveranstaltung.

Daten müssen maschinenlesbar sein

“Der Satz ‚Leipzig liegt an der Pleiße.‘ ist für einen Menschen aufgrund seines Erfahrungshintergrundes ohne Probleme verständlich. Maschinen brauchen dafür zusätzliche Informationen“, erklärt Holger Wollschläger, Projektverantwortlicher bei Lecos. „Mit Metadaten verknüpft, sähe der Satz maschinenlesbar dann so aus: ‚Leipzig <Stadt> liegt an der Pleiße <Fluss>.‘ Gezielt könnte die Anwendung nun auf die Frage, welche Städte an der Pleiße liegen, auch Leipzig benennen. Das ist aber eine wirklich extreme Vereinfachung des Prinzips.“

Die notwendige technische Unterstützung für den komplexen Vorgang der Datenbeschreibung – basierend auf dem sogenannten Resource Description Framework (RDF) und der Web Ontology Language (OWL) – liefern die beiden Wissenschaftspartner.

Praxisprojekt mit Behindertenverband

Als kommunaler IT-Dienstleister stellt Lecos die Anwendungsmöglichkeiten in der Kommune in den Vordergrund. Der Behindertenverband Leipzig hat sich für das Forschungsprojekt als Datenpartner angeboten. Am Beispiel der Stadt Leipzig verknüpft Lecos nun alle Daten zu kommunalen Gebäuden aus der Facility Management-Anwendung mit denen aus der Datenbank des Behindertenverbandes. Hier sind Erfahrungswerte von Menschen mit Behinderungen zu öffentlichen Gebäuden erfasst.

„Wir freuen uns, dass wir so praxisnah arbeiten können“, so Gerald Saalfeld, Leiter Strategiefeld Partnerlösungen bei Lecos. „Kommunalverwaltungen möchten natürlich, dass ihre Dienste für alle Bürger gleichermaßen gut erreichbar sind und legen deshalb großen Wert auf Behindertenfreundlichkeit.“

Doch Menschen ohne Behinderungen nehmen ihre Umgebung anders wahr, als das Menschen mit Behinderung tun. So wird vielleicht eine zu geringe Türbreite für Rollstuhlfahrer nicht erkannt und das Gebäude dennoch als behindertenfreundlich eingestuft, weil alle anderen Voraussetzungen erfüllt werden.

„Durch Verknüpfen der Datenquellen erreichen wir eine wesentlich höhere Transparenz und Belastbarkeit der Informationen für Menschen mit Behinderungen“, so Saalfeld. „Und die Kommune erhält Informationen dazu, wo eventuell Optimierungsbedarf besteht.“ Perspektivisch ist auch eine Ausweitung des Forschungsprojekts auf die Zuwegung zum Objekt, also die Ausgestaltung des Bürgersteigs oder der Haltestellen des öffentlichen Personenverkehrs, sowie die Parkplatzsituation denkbar.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Die Möglichkeiten einer kommunalen Nutzung der Linked Data-Technologie sind groß. Nicht zuletzt deshalb, weil Kommunen in den einzelnen Ämtern riesige Datenmengen erzeugen, die – intelligent verknüpft – wichtige Zusammenhänge offenbaren und Entscheidungen unterstützen können. So lassen sich – semantisch verknüpft – beispielweise Dokumente aus Ratsinformationssystem gezielt auswerten, etwa zu Stadtentwicklung, Investitionen und Bauvorhaben.

Wir brauchen rechtliche Rahmenbedingungen

„Bis Linked Data in Kommunalverwaltungen tatsächlich zum Einsatz kommen wird und kann, wird sicher noch eine Zeit vergehen“, resümiert Saalfeld. „Noch stehen wir am Anfang unserer Arbeit. Und auch die rechtlichen Rahmenbedingungen, die diesen doch anderen Umgang mit Daten umfänglich regeln können, müssen erst geschaffen werden. Beide Aufgaben sind spannende Herausforderungen.“

 

Der Text ist auch erschienen in der Vitako aktuell, Ausgabe Lecos 3/2016.